SPRECHCHÖRE FÜR DIE LEGIONÄRIN

SPRECHCHÖRE FÜR DIE LEGIONÄRIN

Toggenburger Tagblatt, Montag den 21. Dezember 2015

Tischtennis-Schweizer-Meisterin Rahel Aschwanden spielt in der laufenden Saison beim elsässischen Spitzenclub Schiltigheim in der zweithöchsten französischen Liga. Ein Augenschein vor Ort.

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Rahel Aschwanden (links) wird nach dem entscheidenden Sieg von der Slowenin Alex Galic empfangen.

TISCHTENNIS. Präsident Olivier Jung geriet bei den Partien von Rahel Aschwanden (Bütschwil) ins Schwärmen. „Sie spielt dynamisch, ist athletisch, Rahel wird immer stärker“, fasste er seine Eindrücke zusammen, als die Toggenburgerin ihren zweiten Punkt zum 4:1-Sieg des Tabellendritten Schiltigheim gegen Saint Pierraise beigesteuert hatte und von 250 begeisterten Zuschauern mit „Rahel, Rahel“-Sprechchören gefeiert wurde. „Sie versprüht Energie, weckt Emotionen“, fügte ein Besucher an. Sein Kollege sprach vom Schweizer „Publikumsliebling“.

Dass die mit Strassburg zusammengebaute, 30 000 Einwohner zählende Stadt Schiltigheim an der Weinstrasse liegt und als Biermetropole gilt, spielte bim Transfer von Weil am Rhein ins Elsass keine Rolle, obwohl die Schiltigheimer Siege zu feiern wissen. „Es ist eine grosse Familie, es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Und das Niveau ist einiges höher als in der Schweiz oder bei Weil. Der Wechsel war bisher der beste Entscheid meiner Karriere“, sagte Rahel Aschwanden schon vor dem Heimspiel.

Nummer 98

Dabei kauften die Franzosen die Katze halbwegs im Sack, wussten nicht richtig, welche Position die in Wien professionell trainierende Tischtennis-Weltenbummlerin Rahel Aschwanden im Team einnehmen würde. So sind national nahezu alle Spielerinnen der zweihöchsten Liga höher eingestuft als die beste Schweizerin. Was die Nr.98 (in Frankreich) kann, erlebte auch Ioana Popescu (Nr.48), die von der Aussenseiterin in drei Sätzen vom Tisch gesmasht wurde.

Erklärend sei angefügt, dass Rahel Aschwanden im World Ranking Position 222 (Nr. 1 der Schweiz) einnimmt. Bei Leader Paris verlor sie zuvor ihre Duelle gegen eine Chinesin (Nr.35) und Griechin (Nr.62). Von den bisherigen zehn Partien konnte sie sechs gewinnen. „Nach der Enttäuschung in Paris war es wichtig, beide Spiele zu gewinnen. Gegen nominell unterlegene Spielerinnnen habe ich noch Mühe meinen Rhythmus durchzuziehen“, stellte die von allen Seiten umarmte Tischtennis-Legionärin selbstkritisch fest.

Ausländerinnenquartett

Bei Schiltigheim bilden eine Schweizerin, Engländerin und zwei Sloweninnen das Stammquartett. In andern Ländern unvorstellbar, dass durchwegs die Ausländerinnen den Ton angeben. „In Frankreich ist die Situation anders“, erklärt Rahel Aschwanden, „weil beispielsweise viele Chinesinnen im Land wohnen. Für mich ist diese Ausgangslage ideal, weil ich davon profitieren kann.“ Dem Einwand, solche Konstellationen bedeuteten oft das Ende des Vereinslebens, widerspricht die amtierende Schweizer Meisterin. Sie fliegt normalerweise von Wien nach Basel und reist mit dem Zug weiter oder aus der Schweiz per Bahn an. „Wir reisen nach den Einsätzen nicht sofort wieder ab. Es wird zusammen gegessen, wir sind voll integriert und identifizieren uns mit dem Club.“ Am Tag nach dem Sieg ging’s gemeinsam an den Weihnachtsmarkt in Strassburg. In der Schweiz spielt Rahel Aschwanden – sofern es terminlich passt – mit ihrem Stammclub Wil bei den Männern in der NLB. Gegen Rapperswil setzte es zuletzt eine 1:9-Niederlage ab. Den Punkt holte die Frau im Team.

In die Top 150

„Das Ziel für 2016 ist eine Klassierung unter den Top 150“, bleibt sie Realistin. Wohl wissend, dass ihre Leistungen auch dann kaum für Schlagzeilen sorgen werden. Obwohl Rang 222 im Tischtennis (grösster Sportverband der Welt mit 222 Nationen) in mancher Publikumssportart einer Top-10-Klassierung gleichkäme.

Urs Huwyler

Source: http://www.rahelaschwanden.com/index.php/news/277-sprechchoere-fuer-die-legionaerin

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